Die Jugendstadtkapelle unter ihrem Dirigenten Pascal Morgenstern (Foto: khp)Dieser Klangkörper ist, wenn sich Jung und Alt vereinen, dank der Neuzugänge (und einiger Aushilfen) glücklicherweise so groß, dass er dichtgedrängt vier gestaffelte Bühnenpodien in Anspruch nimmt. Sicher ist dies auch den „Zulieferern“ bei der Maria-SybillaMerian-Schule und dem dynamischen Dirigenten Pascal Morgenstern und Altmeister Harald Weber zu verdanken. Sie wählten Spielstücke aus, in welchen sich die Bläser so richtig entfalten konnten. Aber gelegentlich schienen die im Programmzettel genannten Arrangeure vor allem diese Präsentation im Blick zu haben, nicht aber, dass der Musik üblicherweise noch andere Erwartungen begegnen: künstlerische Ausgefeiltheit, neue Ideen, weitgehende Originalität und hohe Geltungsdauer. Hinzu kommen natürlich aktuell der jeweilige persönliche Geschmack der ZuhörerInnen und auch der besondere Aspekt, wenn ein naher Angehöriger oder guter Bekannter aktiv mitspielt.

Den dynamischen Start vollzog die Jugendstadtkapelle unter dem Dirigenten Pascal Morgenstern mit A Good Start (einem Marsch), Prehistoric Suite mit Dinosaurier-Bewegungen und Nurock, der vom Stil her auch für die Einführung eines künftigen britischen Thronfolgers dienen könnte. Anschließend ließ die Jugendstadtkapelle (ohne Junioren) den kalten Bergwind pfeifen. Alfred Bösendorfers „Norway Impressions“ hatten zwar weniger Folkloristisches oder gar samländische Töne im Auge, aber musikalisch herrscht in dem Land eben große Vielfalt. „No Roots“, das dann folgte, ist zu Recht preisgekrönt. Es steckt voller Melancholie und Pessimismus und gibt diesem überzeugenden musikalischen Ausdruck - ein kompositorisches „Schwergewicht“ also. Natürlich müssen alle Stücke gleichwohl für ein vorwiegend aus Laien bestehendes Ensemble auch spielbar sein.

Die Stadtkapelle begeisterte ihr Publikum mit gut ausgewähltem Programmablauf (Foto: khp)

Nun traute man seinen Ohren nicht, als die Stadtkapelle unter der Leitung von Harald Weber einen „Königsmarsch“ von Richard Strauss auftischte, noch dazu einen, der laut Ansage dem deutschen Kaiser Wilhelm II. gewidmet war. Aber Richard Strauss beherrschte eben auch diese Kunst aus dem Effeff, (nicht nur seine alpenländischen Sinfonien und den „Rosenkavalier“). Das Motto „Facetten“ des Abends hatte übrigens laut Ansage mehrere Ausprägungen der Musik im Auge: auch Filmmusiken, Opernauszüge und Musik bei Theaterstücken. Da hat Philip Sparke für das Schweizer Theater-Festival von 1990 ein dreiteiliges Stück geschrieben, das unter allen Aspekten höchste Ansprüche an die Stadtkapelle stellte und natürlich auch an die Aufmerksamkeit der Zuhö- rer für eine Fülle von fesselnden Details. Aber man befand sich eh schon auf sehr hohem kompositorischem Niveau - nun mit Pequena Czarda aus den frühen 90er Jahren von Pedro Iturralde. Als Solist wirkte hier Willi Fischer auf seinem „Uralt“- Saxophon, das eine unvergleichliche Magie ausstrahlte. Mit der Spezialisten-Frage, was nun diesen Instrumenten-Zauber ausgelöst haben könnte, ging man in die Pause. Danach wurde wieder einmal Leonard Bernstein mit seiner West Side Story bemüht, aber nicht in einer geglätteten Musical-Form, sondern in Naohiro Iwais dramatischem Konzentrat, das gleich mehrere Ausrufungszeichen verdient. Nach den Ehrungen hatte sich die sechsköpfige Posaunengruppe W.R. Heymanns Filmmusik „Ein Freund, ein guter Freund“ im saftigen Arrangement von Joachim Lepping und mit passender Kostümierung vorgenommen.Aber die Frage bleibt, ob man solche Heinz-RühmannIkonen nicht unangetastet im Raum stehen lassen soll. Nun, die Musiker boten das sehr belebend und hatten noch einiges zu bieten: die 80er Kult(tour)als Medley und Sympatria als offiziellen Schlusspunkt, davor ein von Harald Weber neu entdeckter Marsch und danach einen Michael-Jackson-Thriller mit Zombies auf dem Friedhof. Um dann doch ein würdiges Ende zu finden, sang man unter dem Dirigat von Harald Weber das Badnerlied. Der Applaus des Publikums war riesig. Die Conference besorgten Leonie Fiala und Sandra Goldschmidt.

Beitrag der Wieslocher-Woche (kob) vom 11. Mai 2018

Blick in den guten besuchten Saal im Palatin (Foto: khp)