Mit gleich zwei Jubiläen und etlichen Ehrungen hatte die Stadtkapelle Wiesloch allen Grund zu feiern: Sowohl das zehnjährige Dirigentenjubiläum von Harald Weber als auch die Jugendstadtkapelle mit ihrem 40-jährigen Bestehen wurden beim großen Jahreskonzert im Staufersaal des Palatins gebührend gewürdigt.

Diesen besonderen Anlass zelebrierten die insgesamt drei Orchester wie gewohnt mit einem facettenreichen Programm. Wieder einmal zeigte sich, dass Blasorchester schon immer mehr konnten als klischeehafte Marschmusik. Trotzdem steckt dahinter auch ein Fünkchen Wahrheit, denn traditionsgemäß gehören Märsche einfach zum festen Repertoire einer jeden Blaskapelle. So auch bei der Stadtkapelle – eröffnet wurde der Abend von den Nachwuchsmusikern der Juniorband unter der Leitung von Karin Seibel mit „Let’s march“.

Nachdem das hohe Holzregister die Tuttibesetzung komplett gemacht hatte, erklangen bekannte Melodien aus Tschaikowskis berühmter „Nussknacker Suite“. Dann füllten sich die Reihen ein weiteres Mal. Die Jugendstadtkapelle nahm ihre Plätze ein, wie sie es erstmals im Jahr 1978 bei der Winterfeier getan hatte. Etliche treue Mitglieder der damaligen Orchesterbesetzung standen an diesem Sonntagnachmittag noch immer für die Kapelle auf der Bühne – mit dem kleinen, feinen Unterschied, dass sie inzwischen längst die Jugenduniform an den Nagel gehängt und sich das rote Sakko der Hauptkapelle übergestreift hatten.

In 40 Jahren sammeln sich viele gemeinsame Erinnerungen an und so nahm man das Publikum mit auf eine bebilderte Zeitreise zu den Höhepunkten der Jugendarbeit. Die Zusammensetzung wandelt sich zwar ständig und es kommen glücklicherweise auch heute noch immer wieder neue Generationen nach, doch manch einer konnte sich auf der ein oder anderen alten Aufnahme sicherlich wiederfinden.

Jugendmusiktreffen, Wertungsspiele, Landesgartenschau, Probewochenenden – die Jungmusiker sind heute wie damals in der Region und international auf Tour, um anderen und sich selbst eine Freude zu machen, wie Sandra Goldschmidt, die als Moderatorin durch das Programm führte, es formulierte. Auch das gemeinsame Erleben, und in der Gruppe sich etwas zu erarbeiten, nannte sie als einen Teil der „Schule des Lebens“ und lud junge Musiker ein, diese Erfahrungen mit der Jugendstadtkapelle zu teilen: „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Nachwuchstalenten.“

Nach diesem kleinen Intermezzo stellte sich Dirigentin Karin Seibel, die nunmehr seit 16 Jahren die Leitung innehat, wieder ans Pult. Mit einem Arrangement der Musik des weltweit gefeierten Animationsfilms „Cars“ bretterte man die Route 66 entlang bis zum finalen Rennendspurt. Einen triumphalen Abschluss dieses Konzertteils setze der Marsch „Pomp and Circumstance“, der sich als Hymne bei Graduationen in den USA etabliert hat.

Das Hauptorchester hatte sich auf Harald Webers Wunsch hin nicht zu einem Medley der letzten zehn Jahre entschieden, sondern wollte auch in diesem Jahr mit frischem Wind durch den Saal wehen. „Wir haben den Anspruch, bei jedem Konzert ein besonderes Schmankerl zu präsentieren“, meinte Sandra Goldschmidt. Damit kündigte sie die „Symphonic Overture“ von James Barnes an, die von den Musikern die volle Aufmerksamkeit erforderte. Das Stück ist gekennzeichnet von raschen Tempowechseln, unterschiedlichsten Klangfarben und schnellen Läufen. Bei den Probewochenenden war es insbesondere dieses Stück gewesen, das alle aus der morgendlichen Müdigkeit hochschrecken ließ und für eine hellwache Probe sorgte.

Der Großteil dieses Konzertteils war der Filmmusik gewidmet. Vertreten waren die Genres Komödie, Action, Western und eine filmlose Filmmusik. Letztere hatte der junge Komponist Alexander Reuber verfasst, ohne dass der dazugehörige Film existierte. So blieb es der Fantasie des Zuschauers überlassen, welche Filmszenen vor dem inneren Auge erschienen. Mit den Filmen von Charly Chaplin, mit James Bond und den Westernklassikern, die Ennio Morricone heroisch vertonte, war hingegen jeder bestens vertraut. Die bekannte Titelmusik wurde passend zu einem parallel auf Leinwand gezeigten Zusammenschnitt markanter Filmsequenzen gespielt und sorgte somit für visuelle Abwechslung.

Der Jubilar des Tages, Harald Weber, der seit nun zehn Jahren in Wiesloch den Taktstock schwingt, wurde vom Vorsitzenden Norbert Bönisch für seinen unermüdlichen Einsatz gesondert geehrt. Er sei stets mit Freude bei der Arbeit, sagte der Vorsitzende über den Dirigenten und überreichte diesem ein Präsent.

Als passionierter Trompeter hatte Weber dieses Mal einen besonderen Glanzpunkt im Gepäck, bei dem dieses Register seine volle Pracht entfalten konnte. Dabei gab sich das hohe Blech mit „Annie’s trumpet dream“ und „My dream“ ausgesprochen träumerisch. Letzteres war zugleich der große Auftritt des jungen Solotrompeters Julian Wieditz. Der Musikschüler des Dirigenten füllte in harmonischem Zusammenspiel mit dem Orchester den Saal mit glanzvollen Melodien und setze damit einen festlichen Schlusspunkt hinter ein rundum gelungenes Konzert.

 

Quelle: RNZ vom 11.05.2017
Von Jessica Blümel