Horst Kummerow, der Vorsitzende der Stadtkapelle Wiesloch, kündigte das Musikkorps der Bundeswehr als „Vertreter der Champions League“ im Bereich der Blasmusik an und als das Ensemble gegen Ende des Konzerts im Staufersaal des Palatins bei einem Queen Medley gar „We are the Champions“ zum Besten gab, rundete dies einen mehr als gelungen Auftritt ab. Unter Leitung von Oberstleutnant Christoph Scheibling wiederholte das über 50köpfige Korps den Besuch in der Weinstadt von vor zwei Jahren, diesmal im Jubiläumsjahr der Stadtkapelle, die 2016 ihr 120jähriges Bestehen feiern kann. „Sicherlich ein musikalischer Höhepunkt“, kündigte Kummerow an. Einziger Wermutstropfen: Im Staufersaal blieb doch so mancher Platz leer und alle jene, die nicht gekommen waren, haben ein grandioses Konzert verpasst.

Die Auswahl der Werke, die Scheibling zusammengestellt hatte, vermittelte die große Bandbreite orchestraler Blasmusik. Gleich zu Beginn begann es wuchtig, ja erwartungsgemäß mit einem Marsch. „Der Coburger“ von Michael Haydn wurde wuchtig und schwungvoll dargeboten. Posaunen, Klarinetten, Trompeten, Fanfaren, Saxophon und die unüberhörbare Tuba vermittelten Rhythmus, mal leicht anschwellend, wild, um in verspielte Passagen zu wechseln. Scheibling nutzte zwischen den einzelnen Stücken die Gelegenheit, die Besucher einzustimmen, gab Informationen über die ursprüngliche Intention der Komponisten und vermittelte so viel Wissenswertes. So hatte sich Johannes Brahms im Jahre 1879 über die an ihn verliehene Ehrendoktorwürde an der Universität Breslau für diese Auszeichnung mit einer „Akademischen Festouvertüre“ bedankt. Das eigentlich für Symphonieorchester komponierte Werk war vom hauseigenen Komponisten des Musikkorps, Guido Rennert, für die Bundeswehrmusiker arrangiert worden. Tempiwechsel, mal verspielt und träumerisch, dann anschwellend, um letztendlich auch die Facetten des Lebens an der Uni mit einzubeziehen. So konnte man auch bekannte Studentenlieder, instrumental geschickt in das Gesamtwerk eingebaut, heraushören.

Der Höhepunkt des Abends sollte eine Hommage an „Hamburg – das Tor zur Welt“  werden. Die Dramaturgie orientierte sich an historischen Höhepunkten der Hansestadt, beginnend im Mittelalter, weiterführend über die große Auswanderungswelle bis hin zur fürchterlichen Bombennacht 1943. Nicht fehlen durfte der Nachkriegsaufschwung, die große Sturmflut in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und ein Abstecher in den wohl bekanntesten Stadtteil, St. Pauli. Mit einfühlsamen Harfentönen wurde zudem dem großen Hamburger Helmut Schmidt gedacht. Dem Komponisten Guido Rennert ist es gelungen, eine klangvolle Zeitreise auf die Notenblätter zu bringen. „Wir nähern uns aus dem Weltall Hamburg, überliegen die Stadt und schauen auf Ereignisse, die im Verlauf der Jahrhunderte diese Metropole geprägt haben“, so Scheibling. Sirenen ertönten, Die Glocken der ein- und auslaufenden „Pötte“ waren zu hören, das Akkordeon, jenes Schifferklavier, das unabdingbar mit der norddeutschen Region verbunden ist, widmete sich bekannten Seemannsweisen und die Glocke des Michels ertönte zwölfmal, um an die Bombardierung im Zweiten Weltkrieg zu erinnern. So entwickelte sich dieser Rück- und Draufblick auf eine liebenswerte Stadt zu einem atemberaubenden Parforceritt, beschwingt wurde die Aufbruchsstimmung in den fünfziger Jahren aufgezeigt, „She loves you“ von den Beatles, die einstmals im Starclub in Hamburg ihre Karriere begonnen hatten, rockig angespielt und am Ende gab es noch einen Abstecher in das Nachtleben. Mit Swing und Leichtigkeit wurde instrumental über die Reeperbahn geschlendert, um mit einem Wahnsinnsfinale die Besucher zu Begeisterungsstürmen hinzureißen.

Im zweiten Teil des Abends sollte mit „Traveler“ von David Maslanka nochmals eine Zeitreise folgen, diesmal auf das Leben an sich bezogen. Der Komponist hatte zur kreativen Feder gegriffen, um ein Stück für einen amerikanischen Dirigenten zu schaffen, der in Pension ging.  Auf einem Bachchoral aufbauend gelang es Maslanka, vom Korps einfühlsam umgesetzt, die verschiedenen Abschnitte eines Erdendaseins mit der Vielfalt eines Blasorchesters umzusetzen.  Fröhlich, schnell und mit einem Hauch von gewolltem Chaos versehen kam Das Werk „Those magnificent men in flying machines“, von Ron Goodwin an. Jene tollkühnen Männer in den fliegenden Kisten bestachen durch Mut und Abenteuerlust und dies spiegelte sich in der musikalischen Darbietung wider. Es war ein Riesenspaß und dies nicht nur für das Publikum, sondern auch für das Orchester. Die Freude, sich in solchen Stücken „auszutoben“, war dem Korps anzumerken.

Und dann kam ja noch das rockige Ende. Mit einer Verbeugung an den leider viel zu früh verstorbenen Frontmann der Gruppe „Queen“ wurde ein fulminanter Abschluss geboten. Die kreische E-Gitarre, nicht unbedingt zur Standardausrüstung eines Blasorchesters gehörend, verwandelte den Staufersaal in einen Rockpalast. Mit Champions eben.

Der Reinerlös dieser Gala, die von der Stadtkapelle Wiesloch und dem Autohaus Wagner vorbereitet worden war, wird zur Unterstützung der Jugendarbeit genutzt. „Wir wollen die Nachwuchsarbeit, die den Fortbestand und die Zukunft der Stadtkapelle sichern soll, damit zu fördern“, sagte Kummerow, der sich bei allen Sponsoren, die den Abend ermöglicht hatten, bedankte. 

Bericht der RNZ, H.D. Siegfried