Bereits im Jahre 1895 haben sich in Wiesloch einige Musikliebhaber zusammengetan, um in kleiner Gemeinschaft von sieben Musikern die Volksmusik zu pflegen.

 

Dies waren:  

  • Franz Zirkel
  • Adam Zirkel
  • Hyronimus Götz
  • Raimund Bride
  • Josef Reinhard
  • Christian Wagner
  • Georg Klaus

Im Spätjahr 1895 übernahm Abraham Diefenbacher die Leitung der Musikgruppe. Unermüdliche Arbeit musste geleistet werden bis endlich die ersten öffentlichen Veranstaltungen durchgeführt werden konnten. Anlässlich der Mitwirkung beim Wintervergnügen der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Wiesloch am 1. Januar 1896 wurde  die

 

Stadtkapelle Wiesloch

 

gegründet. Aus diesem Anlass stellte die Stadtverwaltung Wiesloch erstmals einen Betrag zur Anschaffung notwendiger Instrumente zur Verfügung.

 

Auszug Kassenbuch der Stadt Wiesloch 1896

 

Dies waren, nach vorstehendem Ausweis im Kassenbuch der Stadt Wiesloch 1896, 150 Mark „an Abraham Diefenbacher Unterstützung der Stadtkapelle zu Anschaffung der Musikinstrumente“.

Mit der Gründung vergrößerte sich auch die Mitgliederzahl. Wie aus dem Mitgliederverzeichnis zu ersehen ist, traten damals die Musiker

  • Adam Botz
  • Josef Eberle
  • Philipp Fahlbusch
  • Reimund Sauer
  • Valentin Wagner
  • Josef Oelschläger
  • Michael Wolf
  • Abraham Rensch

der Kapelle bei. Diese Vergrößerung wirkte sich auf die Leistungsstärke der Kapelle sehr gut aus, wie aus alten Schriftstücken zu ersehen ist. An den Geburtstagen des Kaisers und des Großherzoges gab die Stadtkapelle größere Konzerte. Weiterhin wurden in der Gerbersruhe alljährlich 6 bis 10 Promenadenkonzerte veranstaltet, welche die Kapelle besonders hier äußerst beliebt machten.

 

Kassenbuchausdruck der Stadt Wiesloch aus dem Jahr 1896

 

Nach dem vorstehenden Kassenbuchausdruck der Stadt Wiesloch aus  dem Jahr 1896 sind  „für Musizieren zum Geburtstagsfeste des Kaisers am 27. Januar 1896 120 Mark“ und „für Musizieren zum  Geburtstagsfeste des Grossherzogs, am 9. September 1896 80 Mark“ an Abraham Diefenbacher ausgezahlt worden. Die Musik für den Kaiser war damit „mehr Wert“ als die für den Großherzog!

 

Dem Aufstreben der Stadtkapelle wurde jedoch durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges Einhalt geboten.

 

Einer der besten Musiker, Raimund Bride kehrte nicht mehr heim. Der Aufbau der Kapelle gestaltete sich sehr schwierig, denn nur noch wenige Musiker waren dabei, als Ludwig Diefenbacher die Leitung von seinem Vater Abraham übernahm. Georg Klaus übernahm auch die Geschäftsführung der Kapelle und hatte nach dem Tod von Ludwig Diefenbacher auch die musikalische Leitung bis zum Jahre 1939 inne.

 

Stadtkapelle in den zwanziger Jahren
Stadtkapelle in den zwanziger Jahren

 

Zur Stadtkapelle gehörte in den zwanziger Jahren bis zum Jahr 1933 auch eine kleine „Jazzkapelle Wiesloch“, die am 12. August 1929 zur Kirchweih aufspielte.

 

Jazzkapelle Wiesloch
Jazzkapelle Wiesloch


Auch bei der Gestaltung des Winzerfestes spielte die Stadtkapelle Wiesloch von Anbeginn eine bedeutende Rolle. Die Stadtkapelle war für die musikalische Umrahmung des Festes, das seinen Beginn auf der sogenannten Tuchbleiche (heute Standort des Kulturzentrums PALATIN) hatte, verantwortlich. Die Tanzmusik auf diesem Fest wurde dabei, wie das so üblich war, durch den Verkauf von „Tanzbändeln“ finanziert. Die Musiker verkauften dabei an die Paare Stoffbändchen, sogenannte „Tanzbändel“, mit denen dann die Tanzbühne benutzt werden durfte.

 


 


Stadtkapelle beim Winzerfest auf der Tuchbleiche am 12. September 1936

weiter zur Chronik